Freitag, 21. Mai 2010

01 Mai 2010 Gelderland: Winterswijk - Doetinchem






Impressionen am Morgen

Auf der Fahrt werden mir die Unterschiede zu Deutschland bewußter. Fast alle Leute sind freundlich und grüßen gerne, bis auf manche, die nehmen keine Rücksicht. Sie fahren selbst auf den großen Fahrradwegen mit Bundesstraßengeschwindigkeit und drängen dich einfach ab - aber wie gesagt, es wird in der ganzen Aufenthaltszeit in Holland nur drei Mal vorkommen.
Es gibt hier mehr Schafe und kleinere Varianten der Kühe und Pferde. Die Gärten sind teilweise fast geometrisch angeordnet und stark überpflegt - der Rasen ist englisch kurz und wird selbst auf den Nachbarwiesen gemäht, auch wenn dort niemand kurzen Rasen braucht. Viele Bäume sind bis auf die Blattachse zurückgeschnitten und auf ein Drahltspalier gezogen oder sonst in eine geometrische Form - Schiebe, Spirale oder Kugel - gebracht. Nach einer Zeit habe ich mich erwischt, wie ich nach natürlichen gewachsenen Bäumen ausschau hielt. Aber es gibt natürlich große schöne Naturschutzgebiete, wie die Kettenhügel, in deren unmittelbarer Umgebung ich in der kommenden Nacht zelten sollte.


Ja, das ist ein Fahrradweg und keine Straße. Hier können auch locker Fahrräder mit Anhänger aneinander vorbeifahren. Trotzdem fahren die Rennradclubs - die sehr beliebt sind - auf den Straßen und manche Autofahrer kürzen Strecken über die Fahrradwege ab. Die Vorfahrt wird an großen Kreuzungen per Rundverkehr geregelt. Das spart Ampelanlagen und geht bei dem geringen Verkehrsaufkommen eigentlich auch sehr zügig. Heute war Besuchertag in der Windmühle. Sie wurde deshalb für heute in Betrieb genommen. Natürlich mußte man die Rundführung bezahlen, was ich nicht getan habe.

In den Städten gibt es immer eine sehr großzügige Fußgängerzone, die gleichzeitig auch meistens den Stadtkern beinhaltet - ähnlich wie in vielen Deutschen Städten - jedoch sind die Zonen deutlich größer und sind zumeist durch elektrisch versenkbare Polder geschütz, die über den Tag ausfahren und die Belieferung nur zu bestimmten Zeiten zulassen - vielleicht auch mit einer Zulassung, was ich nicht beobachten konnte. Die Niederländer haben es nicht so mit dem frühen Betrieb. Hier wurden viele Geschäfte oft erst gegen 12 Uhr geöffnet. Auch auf den gut ausgebauten Straßen und auf den Firmengeländen war es teilweise totenstill mitten in der Woche, sodaß ich mich fragte, wo die Leute alle hin sind.



Das ist an den Kettenhügeln. Ein unter Naturschutz stehender Wald nahe der Grenze. Dort hinten rechts der Abendsonne erkennt man Loerbeek.

02 Mai 2010 Nijmegen


Wandern ohne Karte, das wollte ich nach den Erfahrungen meiner ersten Tour nicht machen, jedoch dachte ich, man könne sich wenn man der Grenze folgen würde garnicht verlaufen. Die Grenze ist jedoch keine Natürliche Linie, wie ein Höhenzug oder ein Fluß. So habe ich also einen Umweg nach dem anderen gemacht und habe immer mehr Kilometer in Kauf genommen, um endlich im Süden anzukommen. Die großen drei Flüße, in der Rhein mündet sind nicht so leicht zu überqueren und ich mußte einmal sogar eine Fähre nehmen, um vorwärts zu kommen. Also nehmt besser immer eine Karte mit, es lohnt sich immer. Man sieht mehr vom Land, wenn man weiß wo man ist. So bin ich teilweise nur der Sonne gefolgt, wenn sie mal da war und teilweise konnte ich die vorhandenen Informationstafeln deuten, obwohl sich mir die Routenberechnung auch dort teilweise entzogen hat.

Von Arnhem hatte ich nicht viel gesehen, außer einem Kriegsdenkmal, was mir erklärte, warum besonders ältere Menschen teilweise ängstlich oder mit Verachtung auf die Ansprache in deutscher Sprache reagierten.


De Waagh heißt dieses Haus - ich habe noch immer nicht die Funktion herausfinden können. Das Rathaus ist es jedenfalls nicht. Ob es mit dem Wäagen etwas zu tun hat? Aber ein Blick in die Niederländische Wikipedia enthüllt, oben war lange Zeit die Stadtwache untergebracht und darunter der Fleischmarkt. Also wird "De Waagh" die Wache heißen und nicht die Waage.

Niijmegen hat eine schöne Innenstadt. Abgebildet sind die zwei auffälligsten Häuser vom Anfang des 17. Jahrhunderts.

Ich mache noch eine Pause in einer vielbefahrenen Gegend unter dem Dach eines Bushäuschens, weil der Regen einfach nicht aufhören will und schleppe mich dann umgezogen raus aus der Stadt in Richtung Wijchen, obwohl ich der Meinung war nach Süden zu fahren. Irgendwann bin ich auf einem Gelände mit einem Wald und schlage einfach mein Zelt inmitten dieses stattlichen Buchenwaldes auf.