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Freitag, 21. Mai 2010

19 April 2010 Im Elbetal



Habe in dieser Nacht leider nicht so gut schlafen können und bin früh mit Hunger aufgewacht. In Genthin konnte ich mir was kaufen und Essen und den Luftdruck kontrollieren. Auf der Karte war ein Radweg direkt an dem Elbe-Havel-Kanal angegeben, doch dort wurde gerade mit schweren Gerät gerodet und die Deichwege waren voll von Ästen und Fahrrinnen der Maschinen, sodaß man kaum 10 Meter fahren konnte. Schließlich habe ich doch noch einen Fahrradweg nach Seedorf und Parey finden können. Weiter ging es nach Güsen, Ihleburg, Parchau durch Burg hindurch. Hier konnte man sich schon ein paar Restaurierungsarbeiten leisten. Aber ich hatte keine Ruhe mehr und bin gleich weiter nach Detershagen. Auf dem Weg sah ich zum zweiten Mal ein Grab mit Blumen und wollte diesmal wissen, wem dort gedacht wird. Den genauen Wortlaut kann ich nicht wiedergeben : Hier liegt ein Jude, der von Faschisten ermordet wurde. Das Grab sah aus, als ob es in der DDR-Zeit zu Propagandazwecken errichtet wurde, jedoch muß das Interesse auch weiterhin bestehen. Das hat mich gerührt. In Detershagen führt der Weg dann in die Stadt und wieder in die entgegengesetzte Richtung durch einen Tunnel in den Wald; ohne einheimische Hilfe findet man das nicht. Ich mußte also wieder zurück in das Dorf. In Detershagen bot sich mir ein komischer Anblick. Es gibt einen Teich an dem in etwa 4 Meter Entfernung der Fahrrad- und Gehweg verläuft. Davor stehen auch noch ein paar Bänke. Das störte ein Schwanpäarchen jedoch nicht, direkt vor den Bänken ihr riesiges Nest aufzubauen. Sie ließen sich weder von Fußgängern noch von Fahrradfahrern beirren und bebrüteten leicht gereizt ihr Nest. Da ich heute nicht mehr nach Magdeburg rein wollte, blieb mir nur in der Nähe von Waldschule an der A2 und der ICE-Trasse zu rasten. Dort haben sich die Wildschweine nieder gelassen, wie mir ein ängstliches Päarchen mit Hund sagte. Obwohl ich eigentlich wußte, daß Schweine Menschengeruch meiden, habe ich dann noch ein wenig nachgeholfen und das Zelt mit ein paar toten Ästen bewehrt.


Der Berliner Torturm der Burger Stadtmauer.
Oben die Tür, die zum Obergang des Tores über die Straße führte.


21 April 2010 Ehemalige Grenze


Der schlimmste Tag seit dem Start. Regen, Hagel und Sturm. Von Seehausen, Eggenstedt, Beckendorf, Ausleben, Warsleben, Hötensleben über die ehemalige DDR-Grenze rüber.


Eine gut erhaltene Bockwindmühle






Dann kam noch der fliegende Sand vom ehemaligen Braunkohletagebau zu dem Sturm hinzu. Ich konnte kurzzeitig nicht mehr atmen. Im Mund Erdgeschmack. Ich mußte mich umdrehen und einmal sogar umkehren um Schutz zu suchen. Leider hatte ich dann noch Erbsen gegessen, die höchstwahrschleinlich zu dem Leistungsstau beigetragen hatten. Jedenfalls packte ich keine 35 Kilometer an dem Tag. Dann kam mir am Nachmittag noch ein fröhlicher, älterer Mann den Berg hochgejoggt. Er erzählte mir, er würde mit seinen 73 Jahren (!) zehn Kilometer unter einer Stunde laufen, Tagesfahrradtouren über 160 Kilometer in den Harz und wieder zurück machen. Wenn ich nicht schon frustriert war, dann war ich es jetzt. Aber nicht aufgeben . . .


Ein kleiner Vogel in der Nähe des Zeltes auf dem Elm.
Wahrscheinlich eine Mückenart?


20 April 2010 Magdeburg


Es war kalt die Nacht. Der dicke Sack hat jedoch gehalten und mir eine angenehme Nachtruhe schenken können. Viele körperliche Schmerzen und Umstellungen machen sich nach wie vor bemerkbar. Der Elbauenweg nach Magdeburg ist schön und schnell. Magdeburg überrascht mit Größe und den vielen Kirchen. Es war die Kaiserpfalz von Otto dem Ersten. Fotos von Magdeburg oder anderen berühmten Sachen zu machen, lohnt sich nicht, dachte ich mir. Aber nicht immer sollten sich im Internet bessere Fotos finden lassen. Naja, ich wollte auf jeden Fall zum Dom und Otto einen Besuch abstatten. Dort finden nach wie vor Ausgrabungen statt, die schon weltweites Aufsehen erregten. Jedoch war die Stimmung eher spinnennetzartig, als ich vor dem Gitter und dem unbeleuchteten Sarkophag von Otto stand. Ich bin dann auch gleich weiter.


Ein paar Speicherhäuser an der Elbe


Der Dom vom der Bodenperspektive
von der anderen Seite der Elbe aus

Durch die vielen Gründerzeithäuser fühlte ich mich beinahe so, wie in Berlin. Über Diesdorf, Niederndodeleben, Groß- und Klein Rodensleben, Bergen nach Seehausen, wo ich am Berg über dem See einfach an dem Feldweg mein Lager aufschlug. Da spielte ich noch mit dem Gedanken, mir ein Auto zu schnappen oder mit dem Zug zurück zu fahren, so sehr hatte mein eingerosteter Körper zu schaffen.